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Förder- und Beratungsstelle

Beratung und Hilfestellung werden im Bereich Frühförderung angeboten.

Darüber hinaus können sich Sehgeschädigte im Schulkindergarten, in der Abteilung für Mehrfachbehinderte und in den Klassen für Blinde und Sehbehinderte Information und Orientierungshilfe holen.

Das Förderzentrum sieht den Schwerpunkt seiner Arbeit in der Begleitung sehgeschädigter SchülerInnen, die an Regelschulen unterrichtet werden, sowie in der Beratung sehgeschädigter Jugendlicher und Erwachsener. Voraussetzung ist die enge Zusammenarbeit mit dem Augenarzt. Hervorzuheben ist hier die enge Zusammenarbeit mit der Beratung kann prophylaktischen Charakter haben bei drohender Sehverschlechterung (Glaukom, Makuladegeneration, Retinitis-Pigmentosa) oder Beratung bei bereits eingetretener Sehbehinderung bzw. völliger Erblindung. Beratung und Hilfe richten sich nach der individuellen Situation: beim plötzlich durch Unfall total erblindeten 18-jährigen Gymnasiasten sind andere Probleme zu bewältigen als bei einer 75-jährigen an Diabetes erkrankten sehbehinderten Frau.
Im ersten Fall gilt es, einem jungen Menschen zu helfen, den Schock zu überwinden und neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Aus der bunten "Seh-Welt" unwiderruflich in die Lichtlosigkeit zu geraten, diesen Schock gilt es überwinden zu helfen. Blindenspezifische Fertigkeiten müssen erlernt, Orientierung in der neuen Realität muss gefunden werden. Neben dem Erlernen der Blinden- oder Punktschrift (nach dem Erfinder auch Brailleschrift genannt) d.h. Lesen und Schreiben auf der Punktschriftmaschine sowohl der Vollschrift als auch der Blindenkurzschrift, stehen der Erwerb lebenspraktischer Fertigkeiten sowie Orientierungs- und Mobilitätstraining im Vordergrund. Das Mobilitätstraining, u.a. mit dem Langstock, wird am Heimat- und am Arbeitsort durchgeführt. Für den Betroffenen müssen z.B. tastbare Straßenpläne als Orientierungshilfe hergestellt werden.
Im Falle der 75-jährigen Diabetikerin, die sich langsam auf das abnehmende Sehvermögen einstellen konnte, sind Beratung und Hilfe weit unproblematischer. Sie wird sich in ihrer gewohnten Umgebung auch jetzt noch zurecht finden. Eine Leuchtlupe für zu Hause und/oder eine kleine Einschlaglupe, mit der sie die Preise im Geschäft lesen kann, werden ihr ausreichen. Bei höherem Sehverlust müsste ihr für ihre Haushaltsführung u.U. sehbehindertenspezifische Hilfestellung in ihrer häuslichen Umgebung gegeben werden.
Aufgabe des Förderzentrums ist es auch, Sehgeschädigte mit der Sozialgesetzgebung für Sehbehinderte und Blinde vertraut zu machen. Hinweise zu Möglichkeiten der Kommunikation, zu Aktivitäten des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, auf Tonbandzeitungen für Blinde, Punktschriftausgaben von Illustrierten, Hörbüchereien usw. sollen dazu beitragen, dass der Sehgeschädigte nicht vereinsamt und dass sein "geistiger Freiraum" erhalten und erweitert wird.

Beratung Sehgeschädigter setzt Einfühlungsvermögen, Grundkenntnisse der Augenheilkunde und Information über sehbehinderten- bzw. blindenspezifische Hilfsmittel voraus. Im Förderzentrum können Sehgeschädigte optische und elektronische Geräte kennenlernen und ausprobieren.

Grundlage der individuellen Beratung ist immer die augenärztliche Diagnose bzw. das augenärztliche Gutachten. Visusangaben geben einen Hinweis auf das optische Leistungsvermögen des Ratsuchenden. Allgemein gilt, dass eine helle blendfreie Beleuchtung eine wesentliche Verbesserung des Sehvermögens bewirkt.

Die Mehrzahl aller Sehbehinderten benötigt vergrößernde Sehhilfen. Der Visusabfall wird durch Vergrößerung des Netzhautbildes kompensiert.
An optischen Sehhilfen (Lesehilfen) stehen zur Verfügung: Lesegläser in Form von Grifflupen, Visolettlupen (Hellfeld-Lupen), Standlupen mit Stativ, Leuchtlupen, Halogen-Standlesegläser, Arbeitsstandlupen mit blendfreier Beleuchtung, Taschenleuchtlupen um die Wichtigsten zu nennen. An Spezial-Lupen sind zu nennen: Umhängelupen zur Durchführung von Handarbeiten, Technikerlupen, Kopfband- und Brillenvorsatzlupen, Fadenzähler und Uhrmacherlupen, handliche Einschlag-Lupen und Lupe-Spiegel-Kombinationen als Hilfe bei der Gesichtskosmetik. Als neuartige Miniformat-Lupe mit 1,8-facher Vergrößung ist ein kleiner abgestumpfter Kegel in Faseroptik zu nennen.

Auf die Zusammenarbeit mit dem Optiker muss hingewiesen werden, vor allem, wenn es um Sehhilfen für die Ferne geht.

Bewährt haben sich Monokulargläser. Es sind kleine Handfernrohre mit deren Hilfe Straßenschilder, Hausnummern, Firmenschilder oder Fahrpläne aus der Entfernung gelesen werden können. Sie sind auch auf den Nahbereich (bis auf etwa 25 cm) einstellbar; mit aufschraubbarer Vorsatzlupe kann damit mikroskopiert werden. Retinitis-Pigmentosa-Patienten mit sogenanntem Röhren- oder Tunnelblick drehen das Monokularglas um und erreichen somit einen größeren Gesichtsfeldeindruck.

Von Sehbehinderten wird oft der Wunsch nach einer Hilfe zum Sehen des Fernsehprogrammes geäußert. Als Hilfe kommen Fernrohrsysteme (Fernrohrlupenbrillen) in Frage und/oder sogenannte TV-SCREENS, das sind nach dem Prinzip der Fresnell-Linse hergestellte Großbildlupen, die einfach vor den Fernsehbildschirm gestellt werden (auch am Computer-Monitor verwendbar).

Neben den erwähnten optischen Hilfsmitteln stehen Sehbehinderten eine Reihe elektronischer Sehhilfen zur Verfügung. Es handelt sich um schwarz/weiß- bzw. Farb-Bildschirmgeräte (sog. Fernsehlesegeräte) in verschiedenen Bildschirmgrößen. Sie ermöglichen 3- bis 40-, ja sogar bis 60-fache stufenlose Vergrößerung mit interner Kamera zum Lesen und Schreiben, d.h. am Bildschirm kontrolliert der Sehbehinderte seine Handschrift oder er stellt die Schreibmaschine unter die Kamera. Solche Bildschirmgeräte gibt es auch mit einer zweiten externen schwenkbaren Tafelkamera mit Autofocus, Motorzoom und Schwenk-Neigekopf. Sie bringt dem Sehbehinderten Tafelanschriebe, Bilder, Grafiken, Wandkarten über den Bildschirm in seinen "Seh-Raum". Diese Geräte sind für integrativ betreute Sehbehinderte in Regelschulen besonders geeignet.
Für die Auswahl eines Bildschirmlesegerätes ist die Art der Sehschädigung von Bedeutung: bei Sehbehinderten mit Makuladegeneration z.B. ist die Netzhautmitte, die Stelle des schärfsten Sehens, der Zentralvisus, beeinträchtigt. Dieser Sehbehinderte braucht einen großen Bildschirm, am besten ein schwarz/weiß-Gerät mit 20- bis 30-facher Vergrößerung.

Beim Sehbehinderten mit peripherer Netzhautschädigung wie bei Retinitis-Pigmentosa ist der Zentralvisus, die zentrale Sehschärfe, erhalten. Er hat nur noch ein kleines Gesichtsfeld, einen Tunnelblick; Orientierung im fremden Raum ist damit nicht möglich. Da sein Sehrest im zentralen Scharfsehbereich liegt, ist die Vergrößerung zweitrangig. Er benötigt einen Bildschirm mit hoher Zeilendichte bei extrem hohem Kontrast. Als Ergänzung zu optisch vergrößernden Lesehilfen ist eine elektronische Leselupe entwickelt worden. Durch 6- oder 13-fache Vergrößerung ist sie dazu geeignet, Tageszeitung und Kleingedrucktes zu lesen.
Der Übergang vom Noch-Sehen-Können zur totalen Blindheit ist fließend. Hochgradig Sehbehinderten und Blinden stehen Lesegeräte zur Verfügung, die gedruckte Texte lesen und in akustische Sprache umwandeln: Ein Scanner verwandelt Schriftzeichen in Signalmuster, die ein Rechner in Tonbausteine aufbereitet. Eine synthetische (variabel einstellbare) Stimme gibt den Text akustisch wieder. Es handelt sich um ein Vorlesesystem, geeignet für Sehgeschädigte, die nicht mit einem Computer arbeiten wollen.

Die Schrift des Blinden ist die aus sechs Punkten bestehende Braille'sche Punktschrift. Es ist die Verkehrsschrift der Blinden untereinander. Für die Kommunikation mit Sehenden kann der Blinde sich der normalen Schreibmaschine oder des Computers bedienen. Für die Arbeit am Computer ist die sogenannte Braille-Zeile entwickelt worden. Die Braillezeile setzt den Text des Bildschirmes in taktile (tastbare Blindenschrift) Informationen um. Die Braillezeile gibt es auch in Kombination zu transportablen Laptops. Das System kann sowohl Texte in Punktschrift als auch in Schwarzschrift ausdrucken. Nach dem Prinzip "hören, was man nicht sieht", ist in das System auch eine akustische Sprachausgabe integriert, wahlweise in deutsch, englisch, französisch, spanisch und anderen Sprachen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. Januar 2010 um 17:46 Uhr