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Chronik

Schulgebäude - Foto aus den 50er Jahren

Die ehemalige Wehrmachtskaserne, in der 1949 die Schule und das Internat und 1950 die Werkstätten eingerichtet wurden. Das Foto stammt aus den 50er Jahren.

 

Das Gebäude der "Saarländischen Blindenschule mit Internat" wurde am 27. Oktober 1949 in Anwesenheit des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, dreier Minister seines Kabinetts, des Regierungsdirektors Dr. Ernst Blum (der selbst erblindet war), Vertretern der örtlichen Verwaltung und weiterer Ehrengäste in einem feierlichen Akt seiner Bestimmung übergeben.

In der ehemalige Wehrmachtskaserne in Lebach, zentral im Saarland gelegen, begann für 19 blinde Schüler und SchülerInnen der Unterricht in zwei Volksschulklassen zu je vier Schuljahrgängen, unterrichtet vom Schulleiter (Richard Schmidt) neben zwei weiteren Lehrkräften: der Blindernhilfslehrerin Adelheid Graf und der Blindenoberlehrer Walter Eis. Letzterer war jedoch nur 6 Woche in Lebach; an seiner Stelle folgte Anfang 1950 Blindenoberlehrer Paul Kranich, der 1960 Direktor der Schule wurde.

Dem Internat stand Frau Margarete Lyon vor, ihr zur Seite die Erzieherin Appolonia Nagel - "Tante Loni" - und der Erzieher Max Schorr.

Dem Organisationstalent Schmidt war es zu verdanken, dass schon sehr bald Blindentafeln für die Unterstufe, Punktschriftmaschinen für die Oberstufe und genügend Punktschriftbücher für den Unterricht vorhande waren.

800 Punktschriftbände verdankte die Bücherei einer amerikanischen Stiftung. Ein Aufruf in der Zeitung bewirkte, dass einzelne Spender des Saarlandes der Schule Musikinstrumente und andere für den Unterricht nützliche Gegenstände stifteten. Nach einer Spende von zwei Klavieren wurde mit dem Klavierunterricht begonnen.

Alle SchülerInnen wohnten im Internat der Schule, auch über die Wochenenden, und nur zu den Ferien fuhren sie nach Hause. Ältere Blinde wohnten im neu eingerichteten Blindenheim, das sich im gleichen Gebäude befand.

Rund um die Schule wurde im Jahr nach ihrer Einrichtung die umliegende Wald- und Wiesenfläche zu einer parkähnliche Anlage umgestaltet, „den Blinden als Ruhe- und Erholungsstätte", wie es bei der Übergabe hieß. So entstanden neben dem Pausenhof ein Park mit Unterrichtslauben, Spaziergängen, von einem Bach durchquert, mit hölzernen Brücken und anschließendem Wald. Im gleichen Jahr, 1950, richtete man im Kellergeschoss des Schulgebäudes unter Leitung von Werkmeister Georg Ehrmann eine Bürsten- und Korbmacherei ein, in der bis (vermutlich) 1970 ca. 10 Blinde arbeiteten.

Bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung zählte die Blindenschule 20 SchülerInnen, 17 Lehrlinge in der Werkstatt (Schulabgänger, erlernten gleich an Ort und Stelle den Beruf des Korb- bzw. Bürstenmachers), und 5 Kriegsblinde bzw. Späterblindete in der blindentechnischen Grundausbildung. Alle staatlichen Schulen und Stellen der Schulverwaltung waren durch einen Erlass des Kultusministeriums vom 30. Dezember 1954 dazu angehalten, ihren gesamten Materialbedarf an Besen und Bürstenwaren, Pinseln und Matten bei der Lebacher Anstalt zu decken."

Anfang der 50er Jahre weilte der durch ein Unfall erblindete Bildhauer Ney zur Umschulung in unserer Schule. Für unsere SchülerInnen fertigte er Tierplastiken für den Anschauungsunterricht.

Durch Betasten, Begreifen und Erleben dieser Objekte entstand der Wunsch, andere Skulpturen zu ertasten, aber sich auch selbst bildnerisch mit formbarem Material auszudrücken. So fand das bildnerische Gestalten bald einen festen Platz in unserer Schule. Museumsbesuche gaben weitere Anreize.

Ein besonderes Ereignis für die Blindenschule war im Jahre 1952 die Herstellung des Filmes „Schatten über Sternen". Dieser schwarz/weiß-Film (Dauer: ca. 15 Minuten; Regisseur Ernst Bingen) zeigt das damalige Schul-  und Internatsleben.

Die Filmmusik wurde vom "großen Orchester des Radio Saarbrücken" unter der Leitung von Dr. Rudolf Michl gespielt. 1953 wurde der Film auf den VI. Internationalen Filmfestspielen in Cannes unter den zehn besten Kulturfilmen mit dem 4. Platz ausgezeichnet.

Bereits 1956 begann die Blindenschule in Lebach mit der Frühförderung sehgeschädigter Vorschulkinder. Diese Einrichtung wurde im Laufe der Jahre mit Hilfe der Universitätsklinik Homburg (Oberarzt Dr. Flick), den Augenärzten mit Dr. Heckenhahn als Landesarzt und den Gesundheitsämtern ausgebaut. Besonders die Erfassung sehbehinderter Kinder erwies sich als schwierig, da die Notwendigkeit einer vorschulischen Betreuung oft nicht rechtzeitig erkannt wurde. Um dem sehbehinderten Kind die Möglichkeit zu geben, vorhandene visuelle Fähigkeiten zu nützen und dadurch womöglich noch zu steigern, wurde sehr bald beschlossen, eine kombinierte Blinden- und Sehbehindertenschule einzurichten.

Die Universität Hamburg bot als erste die Möglichkeit, neben Blinden- auch Sehbehindertenpädagogik zu studieren. So nahm der Kollege Gerd Zimmer sein Studium zum Sehbehindertenlehrer in Hamburg auf.

Bereits in den 70er Jahren unternahmen LehrerInnen der Sehbehindertenschule erste Versuche einer integrativen Beschulung bei SchülerInnen, die zum benachbarten Gymnasium übergewechselt waren. Heute wird bereits in der Frühförderung versucht, soweit als möglich die Vorschulkinder im wohnortnahen Kindergarten zu integrieren. Seit 1987 werden sehgeschädigte SchülerInnen, die die Regelschule besuchen wollen, von LehrerInnen unserer Schule betreut. Mit steigender Tendenz wünschen sich Eltern die schulische Integration. Aufrechterhaltung der sozialen Kon­takte und Ortsnähe sind dabei die häufigst genannten Argumente. Seit Anfang der 70er Jahre wurden auf Betreiben des Oberarztes Dr. Flick alle sehgeschädigten SchülerInnen in der Augenklinik der Universitätskliniken des Saarlandes in Homburg einmal jährlich untersucht. Seit 1993 erfolgt diese Untersuchung in der Schule.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. Januar 2010 um 17:45 Uhr